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Wintermantel-Makeover Teil 4 – wie du einen kaputten Ärmelsaum reparieren kannst ohne dass es auffällt

Der Winter ist da und langsam wird es kalt, richtig kalt. Meinen Wintermantel fertig zu nähen bzw. fertig zu reparieren, habe ich leider trotzdem nicht auf die Reihe bekommen. Jetzt heißt es also richtig Gas geben, denn meine Kombi mit Weste und Fleecejacke reicht langsam wirklich nicht mehr aus. Eine größere Baustelle waren die kaputten Ärmelsäume, die ich natürlich reparieren wollte. Natürlich möglichst so, dass sie nicht repariert aussehen. Immerhin das ist inzwischen erledigt. Das Futter einzusetzen wird trotzdem noch genug Arbeit, aber es geht voran. Ich bin also ganz zuversichtlich, dass ich noch dieses Wochenende fertig werde (das denke ich jetzt aber schon die dritte Woche in Folge, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt).

Das Problem: Abgetragene Ärmelsäume

In meinem ersten Post zu diesem Refashion Projekt habe ich schon mal aufgelistet, was ich an meinem Wintermantel alles ändern möchte. Es wäre wahrscheinlich schneller gegangen, neuen Stoff zu kaufen und einen komplett neuen zu nähen, aber ich liebe diesen Mantel einfach und nachhaltiger als neu nähen ist ein Refashioning allemal. Dazu gehörte auch, mir genau anzuschauen, was repariert oder geändert werden sollte – und da gab es einiges. Ein Problem war, dass die Ärmelsäume total abgenutzt waren und der Stoff dort teilweise sogar schon Löcher hatte. Die einfachste Lösung wäre gewesen, einfach die Ärmel etwas zu kürzen und Bündchen anzunähen, aber hätte, hätte, Fahrradkätte: Die Ärmel waren mir beim ursprünglichen Mantel sowieso schon etwas zu kurz, das Bündchen hätte dann also schon am Unterarm anfangen müssen. Falls ihr diese Methode ausprobieren möchtet, findet ihr hier eine gute Anleitung dazu: https://spunkynelda.blogspot.com/2013/06/tutorial-lebensverlangernde-manahmen.html. Für mich musste aber eine andere Lösung her, um die Ärmelsäume zu reparieren. Übrigens solltet ihr, egal mit welcher Methode, immer BEIDE Ärmelsäume reparieren, selbst, wenn nur einer davon kaputt ist. Ansonsten hättet ihr nachher zwei unterschiedlich aussehende Ärmel.

Ärmelsaum-reparieren
Nix mehr zu machen: So sah der Ärmelsaum aus, nachdem ich ihn aufgetrennt habe.

Die Lösung: abschneiden, verlängern, verdecken

Ich habe es schon öfter geschrieben: Wenn reparieren nicht mehr geht, hilft im Zweifel immer noch rausschneiden. Wenn ihr es geschickt anstellt, klappt das sogar so, dass gar nicht auffällt, dass hier etwas geändert wurde. Allerdings muss natürlich das, was weggeschnitten wird, auch ersetzt werden. Ich hatte das Glück, noch etwas von dem blauen Cordstoff übrig zu haben. Als ich den Wintermantel vor Jahren genäht habe, hatte ich die Blenden auf der Innenseite falsch zugeschnitten und eine davon aus dem Cordstoff statt aus dem Futterstoff angenäht. Den Fehler habe ich bei dem neuen Futter behoben und das Teil war jetzt übrig. Es reichte gerade so aus. Die Reparatur hätte aber auch mit einem anderen passenden Stoff funktioniert.

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Eine der vorderen Blenden habe ich aus Versehen aus dem Oberstoff zugeschnitten. Eine super Grundlage zum Ärmel reparieren.

Kaputten Saum abschneiden

Die Ärmelteile habe ich zunächst mal aufgetrennt und über der kaputten Stelle am Saum markiert, so dass noch eine ausreichende Nahtzugabe dran bleiben würde. Dabei solltet ihr euch an der höchsten kaputten Stelle orientieren und die auf die anderen Ärmelteile übertragen, damit beide Ärmel später gleich aussehen. Optisch besonders schön wird es, wenn ihr die Stelle etwas höher setzt, als den Saum. Als nächstes habe ich Papierschnitteile für die Ersatzstücke erstellt. Dafür werden die aufgetrennten Ärmel einfach auf Seiden- oder Zeitungspapier gelegt und einmal bis zu der markierten Stelle umrandet.

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Zuerst wird der Papierschnitt erstellt.

Mein Mantel hat übrigens geteilte Ärmel, deshalb hatte ich pro Ärmel zwei Schnitteile. Die meisten Ärmel bestehen ja nur aus einem einzigen Schnitteil, so dass ihr in der Regel nur einen Papierschnitt anfertigen müsst. Mit Hilfe dieses Papierschnitts werden dann die Teile die ihr nachher zum annähen braucht, gegengleich zugeschnitten. Achtet bei gemusterten oder strukturierten Stoffen darauf, dass die Richtung stimmt.

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Ich hatte zwei Schnitteile je Ärmel. Bei den meisten Ärmeln muss aber nur ein Schnitteil erstellt werden.

Ein neuer Saum: Verlängern und verdecken

Jetzt legt ihr eure zugeschnittenen Verlängerungsteile rechts auf rechts auf die markierte Linie oberhalb des kaputten Ärmelsaums und steckt sie fest.

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Mit den Pfeilen habe ich markiert, in welche Richtung der Stoff angesteckt werden muss.

Steppt die Stoffe entlang der Linie fest und kontrolliert noch einmal von der rechten Stoffseite, ob alles stimmt. Danach könnt ihr die kaputten Stellen abschneiden und die Nahtzugaben auseinander bügeln. Das sah bei mir noch etwas schief aus, was daran liegt, dass ich die Nahtzugaben unterschiedlich zugeschnitten hatte. Sowas lässt sich aber beim zusammennähen leicht korrigieren.

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Noch etwas schief, aber das lässt sich beim zusammennähen korrigieren.

Ihr habt jetzt wieder einen vollständigen Ärmel ohne Löcher, aber auch eine sichtbare Naht. Das kann auch gut aussehen, zum Beispiel, wenn ihr für die Verlängerung einen kontrastfarbenen Stoff genommen habt. Bei meinem Wintermantel habe ich die abgestoßenen Ärmel ja mit dem Original Cordstoff ausgebessert. Eine quer verlaufende Naht mitten im Ärmel sah mir deshalb doch zu offensichtlich nach Reparatur aus.

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Die Quernaht sah mir noch zu sehr nach repariertem Saum aus…

Wenn euch das auch stört, könnt ihr die Stelle noch mit Nahtband oder Schrägband verdecken (auf dem Beitragsbild oben seht ihr übrigens ein anderes Nahtband, das ich später nochmal aufgetrennt habe. Man sollte vorher immer kontrollieren, ob es für beide Seiten reicht…). Bei geteilten Ärmeln solltet ihr erst eine Ärmelnaht schließen, bevor ihr das Nachtband aufnäht. Danach näht ihr noch euren Ärmel zusammen, schlagt ihn um und näht den Saum.

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Unter Nahtband oder Schrägband lassen sich solche Reparaturen super verdecken.

Alternativ könnt ihr natürlich auch ein Bündchen annähen – ich habe mich für ein verdecktes Bündchen entschieden, dass ich aber erst einsetzen kann, wenn ich das Mantelfutter einnähe. Das ist das schöne, an solchen Reparaturen: Wenn ihr einmal dabei seid, etwas auszubessern, ist es meistens kaum mehr Aufwand, noch neue Details hinzu zu fügen.

Reihenfolge bei Mänteln mit Zwischenfutter

Wie ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, nähe ich ein Zwischenfutter aus Wollwalk in meinen Wintermantel. Für die Ärmel hat der leider nicht mehr gereicht, weshalb ich stattdessen Baumwollfleece genommen habe (schon wieder ein Stoffrest weniger). Mit der Reparatur der Ärmelsäume hat das zwar eigentlich nichts zu tun, aber falls ihr ein Zwischenfutter in eurem Mantel oder eurer Jacke habt, solltet ihr die richtige Reihenfolge beachten. Ich habe zuerst die kaputte Stelle ausgebessert und erst danach das Zwischenfutter zugeschnitten und beim zusammennähen der Ärmelteile mitgefasst.

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Ein Zwischenfutter solltet ihr immer erst zuschneiden, wenn das komplette Schnitteil fertig ist.

Wenn ihr nämlich das Zwischenfutter vor dem Annähen der neuen Ärmelteile zuschneidet und mitfasst, bekommt ihr an der reparierten Stelle eine sehr dicke Nahtzugabe. Spätestens, wenn ihr Nahtband aufnäht, wird das zum Problem. Also erst reparieren, dann das Zwischenfutter zuschneiden. Bei geteilten Ärmeln wird dann erst die Teilungsnaht mitsamt dem Zwischenfutter zusammen genäht. Erst danach näht ihr das Nahtband an und steppt dabei über den Oberstoff und das Zwischenfutter. Das hat den Vorteil, dass dieses nochmal an einer zusätzlichen Stelle fixiert wird. Gerade bei Stoffen wie Baumwollfleece oder Wollwalk, die sich leicht aushängen, kann das gut sein.

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Geteilte Ärmel solltet ihr zusammennähen, bevor ihr ein Nahtband aufnäht.

Fazit: Kleine Reparatur mit großer Wirkung

Meine reparierten Ärmel gefallen mir viel besser, als vorher. Mit vorher meine ich aber nicht die kaputten Säume, sondern auch die Ärmel, wie sie aussahen, als sie noch ganz waren. Eigentlich war an denen ja nichts auszusetzen, außer, dass sie ein kleines Bisschen zu kurz waren. Durch das Nahtband fällt aber nicht nur überhaupt nicht auf, dass sie repariert wurden sondern es macht den Mantel irgendwie nochmal interessanter. Ich kann mir schon richtig gut vorstellen, wie das zusammen mit den verdeckten Bündchen wirken wird.

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So sieht der Ärmel jetzt aus. Fehlt noch das verdeckte Bündchen…

Ich finde, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man durch Reparieren nicht nur Sachen erhalten, sondern sogar schöner machen kann. Die Ärmel bekommen wie gesagt noch innen liegende Bündchen, die ich aber erst mit dem Einsetzen des Futters annähen kann. Es geht also weiter mit dem Mantel-Makeover. Die Chancen stehen inzwischen gut, dass ich in den nächsten Tagen wirklich fertig werde und ihn endlich wieder tragen kann.

Und wie steht es mit euch? Wie steht ihr zu kleineren und größeren Reparaturen und habt ihr andere Tipps, wie man kaputte Säume reparieren kann? Schreibt es mir gerne in den Kommentaren.

Dieser Beitrag ist verlinkt bei Upcycling-Love, Öko-Logisch und Einfach nachhaltig besser leben.

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Lies hier, was ich sonst noch so mit meinem Mantel veranstaltet habe:
Wintermantel-Makeover Teil 1: Mantelfutter erneuern oder „Du hast dich auseinander gelebt“

Wintermantel-Makeover Teil 2: „Du bist so kalt“ Meine Suche nach einem nachhaltigen Futterstoff

Wintermantel-Makeover Teil 3: Nahttaschen nähen in 2 Varianten

Wintermantel-Makeover Teil 4: Wie du einen kaputten Ärmelsaum reparieren kannst (ohne dass es auffällt)

Wintermantel-Makeover Teil 5: Mantelfutter einnähen oder „Du hast dich verändert“

2 Comments

  • Birte

    Danke für diese schöne Anleitung! Und auch für das Verlinken bei EiNaB. Es ist doch immer wieder toll (und nachhaltig!) was man so alles selbst reparieren kann!
    Liebe Grüße
    Birte

    • Inga

      Liebe Birte,
      vielen Dank, das freut mich sehr. Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, wie leicht man Sachen reparieren kann und wie viel länger sie dann wieder halten. Mein Mantel ist inzwischen auch fertig geworden und ich freue mich jeden Tag darüber. Es ist tatsächlich, als hätte ich ein ganz neues Kleidungsstück.
      Liebe Grüße
      Inga

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