Culotte Burda 3/2015
Nähen nach Schnittmustern

Besser spät als nicht: Eine große Schwester für meine blaue Culotte

Eigentlich nähe ich Schnittmuster ungern mehrmals. Ich gehöre nicht zu denen, die sich ein und dasselbe Kleidungsstück in drei verschiedenen Varianten nähen was unter anderem daran liegt, dass ich gerne wenig Sachen habe, aber trotzdem unterschiedliche Schnitte im Schrank haben möchte.

Vor allem, seit ich gezielt an meiner Capsule Wardrobe arbeite und mit mehr Konzept nähe, überlege ich mir ganz genau, ob ich einen Schnitt wirklich in mehrfacher Ausführung brauche. Meistens komme ich zu dem Schluss, dass es eher störend wäre, ein Teil in verschiedenen Stoffen oder Farben im Schrank zu haben – aber es gibt Ausnahmen. Als ich im Spätsommer die blaue Culotte nach dem Schnitt aus der Burda 3/2015 genäht habe, konnte ich sie gar nicht so oft tragen, wie ich gerne gewollt hätte, da wurde es auch schon herbstlich. Mit dem dünnen Baumwollstoff war es dann trotz Strumpfhosen leider zu kalt. Das fand ich so schade, dass ich beschloss, mir eine wärmere Version zu nähen, eine aus schwarzem Cord, damit die Kellerfalten noch ein Bisschen mehr betont würden.

Culotte Burda 3/2015
Die Kellerfalten kommen mit dem Cord richtig gut raus, finde ich.

Gesagt getan, ich habe mir sofort einen Stoff ausgeguckt und ein Muster bestellt. Ein Bio-Genuacord in Pechschwarz, er fühlte sich toll an, sah toll aus und ich konnte mich selbst vor meinem inneren Auge in der fertigen Hose sehen. Ich habe selten einen Stoff schneller in den Warenkorb gelegt. Aber wie das mit Nähplänen manchmal so ist, es kommt immer mal was dazwischen – diesmal unter anderem erst ein Lockdown Light und dann ein Lockdown ohne light. Und scheinbar ohne Licht am Ende des Tunnels, jedenfalls war an Nähen nicht zu denken. Ich habe ja noch mit Ach und Krach Ende Dezember das neue Futter in meinen Wintermantel eingenäht, und danach war erstmal die Luft raus.

Culotte Burda 3/2015
Hier die „kleine Schwester“ in blau.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und irgendwann war dann auch wieder etwas Energie da. Woher die kommt frage ich mich immer noch, denn die Situation ist nur minimal besser geworden. Vielleicht ist es das Wetter, denn erst gab es ein paar Tage klirrende Kälte bei blauem Himmel und dann sogar fast T-Shirt-Wetter. Nicht gerade passend für eine Winterhose zwar, aber die Culotte war trotzdem das perfekte Projekt für diesen zarten Anflug von Elan und Frühling. Denn erstens hatte ich das Schnittmuster schon einmal für mich genäht und wusste, dass es mit den gemachten Anpassungen perfekt passte. Ich musste nichts mehr messen oder ändern und sogar den abgerundeten Saum konnte ich noch von der ersten Hose auf den Papierschnitt übertragen. Der Stoff war schon ausgewählt und es gab nicht gerade viele Nähte zusammen zu setzen. Genau richtig also, um sich endlich mal wieder an die Maschine zu setzen.

Culotte Burda 3/2015
Der Stoff ist ein ganzes Stück steifer, als gewohnt, aber das hat auch was.

Der Cordstoff war etwas steifer und schwerer, als ich mir anhand des Musters vorgestellt hätte, aber es war ein tolles Gefühl, ihn zu verarbeiten. Es gibt ja Stoffe, mit denen man das Nähen richtig zelebrieren kann, falls ihr wisst, was ich meine. Dieser war für mich definitiv einer davon, einer für besondere Momente der Muße. So ähnlich, wie sich andere Leute einen guten Wein für einen besonderen Anlass aufheben, habe ich vorgestern auf Instagram geschrieben. Das äußert sich bei mir dann so, dass ich auch das sonst eher nervige „drumherum“ wie z.B. das versäubern geradezu genieße. Der Stoff hat es mir also richtiggehend leicht gemacht.

Culotte Burda 3/2015
Von der Seite blitzen die roten Taschen ein Bisschen durch.

An den Seitennähten hat die Culotte Eingrifftaschen, die ich aus einem Rest meines Mantelfutters genäht habe. Ich finde, das dunkle Rot passt richtig gut zu dem tiefen Schwarz und das filigranere Muster des Taschenstoffs ist ein schöner Kontrast zu den breiten, eher groberen Cordrippen. Auch den Innenbund habe ich aus dem roten Baumwollstoff genäht – unter anderem, weil ich mir Cord auf der Bundinnenseite unangenehm beim tragen vorgestellt habe (was wahrscheinlich Quatsch ist, denn zumindest dieser Cord ist wirklich weich).

Culotte Burda 3/2015
Innenbund und Taschen sind aus einem gemusterten Baumwollstoff

Den Innenbund habe ich etwas anders als in der Anleitung angegeben genäht. Laut Anleitung soll die Nahtzugabe des inneren Bunds umgeschlagen und dann der ganze Bund schmalkantig abgesteppt werden. Ich wollte aber keine sichtbare Naht auf dem Cordstoff und habe deshalb den Innenbund unten mit Schrägband eingefasst. Zum festnähen habe ich dann im Nahtschatten des äußeren Bunds genäht. Mit dem Ergebnis bin ich wirklich zufrieden, nur an den Enden musste ich ein Bisschen improvisieren und das Schrägband nach innen schlagen – ich hatte leider übersehen, dass der Innenbund über dem Reißverschluss liegen würde, wenn er nicht umgeschlagen ist.

Culotte Burda 3/2015
Ganz ohne Improvisation ging es nicht, aber ich finde es ganz gut gelöst.

Vielleicht ist es noch etwas früh, das zu sagen, aber ich bereue es kein Bisschen, die Culotte jetzt in zwei Varianten zu haben. Bis auf eine kleine Übergangszeit sind sie ja wahrscheinlich sowieso nicht für dieselben Jahreszeiten geeignet. Die Cord-Version ist schon ein ganzes Stück sperriger und damit auch auffälliger als ihre kleine Schwester aus dem zurückhaltenden blauen Baumwollstoff. Aber ich werde in den letzten Monaten immer mutiger, was Kleidung angeht und komme damit auch meinem ganz eigenen Stil immer näher finde ich. Im Capsule Wardrobe Jargon ist die Culotte wohl eindeutig ein Statement Piece – was immer dieses Statement auch sein mag. Das ist am Ende aber auch egal. Ich hatte sie heute den ersten Tag an und habe mich absolut wohl darin gefühlt. Außerdem ist heute Mittwoch und ich habe es zum ersten Mal geschafft, einen Blogpost pünktlich für den Me Made Mittwoch fertig zu haben. Vorgenommen hatte ich es mir schon öfter, aber heute ist endlich Premiere. Es stehen schon viele tolle Beiträge drin (ich habe heute Mittag mal gespingst) und ich schließe mich dann gleich mit diesem hier an. Außerdem verlinke ich noch bei Muckelies Show me what you love.

Culotte Burda 3/2015
Ist das jetzt ein Statement-Piece?

Wie haltet ihr es denn mit euren Schnittmustern? Näht ihr jedes nur einmal oder freut ihr euch umso mehr, wenn ihr einen bewährten Schnitt noch einmal nähen könnt? Ich freue mich über eure Kommentare dazu.

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Culotte Burda 3/2015

10 Comments

  • kuestensocke

    Ich bin bekennender Seriennäher – ist ein Schntitmuster gut, wird es immer mal wieder hervorgeholt. Deine Culotte ist sehr schön. Und es scheint, dass es mit dem rauhen Cord auch keine Probleme auf den Strümpfen gibt – ich würde immer befürchten, dass der Stoff hängen bleibt udn wahrscheinlich alles füttern. LG Kuestensocke

    • Inga

      Liebe Kuestensocke,
      danke dir für deinen Kommentar. Bei mir sind wie gesagt mehrfach genähte Schnittmuster die Ausnahme – das behalte ich ganz besonders geliebten Schnitten vor. Aber es war schon sehr angenehm, mal einfach loszunähen ohne vorab die ganzen Anpassungen zu machen. Auf den Strümpfen hat die Hose gestern beim erstmaligen Tragen keine Probleme gemacht. Von innen ist der Stoff glatt genug und der umgeschlagene Saum scheint dem keinen Abbruch zu tun. Vielleicht liegt es aber auch an der Beinweite und daran, dass der Stoff sehr steif ist – er steht tatsächlich richtig vom Bein ab.
      Liebe Grüße
      Inga

  • Siebenschön

    Ich bin ja ein großer Freund des „tragbaren Probestücks“: wenn sich das bewährt, nähe ich den Schnitt dann noch mal aus „gutem“ Stoff- manchmal auch in Serie. Wenn nicht, dann lieber einen anderen Schnitt. Die Culotte sieht toll aus an dir, da hat sich die Winterversion doch gelohnt.
    LG Marlene

    • Inga

      Liebe Marlene,
      danke dir. Bei mir ist das Probestück halt meistens auch das einzige, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber ich finde es toll, wenn Leute Probestücke schon als tragbare Variante nähen – das ist schließlich um einiges nachhaltiger (und günstiger!) als immer ein unbrauchbares Kleidungsstück vorzunähen.
      Liebe Grüße
      Inga

  • Heike

    Wie schön, noch eine Culotte. Deine erinnert mich noch mehr an einen Hosenrock. Der schwarze Cord ist so klassisch, du wirst bestimmt lange Freude daran haben.

    Hm, manche Schnitte nähe ich öfters, andere nur einmal, je nach Erfolg .

    LG, Heike

    • Inga

      Liebe Heike,
      wie es aussieht, bin ich hier allein auf weiter Flur mit dem einmaligen Nähen. Aber so unterschiedlich sind die Gewohnheiten ;-). Deine Culotte habe ich heute schon bewundert, die gefällt mir auch sehr gut.
      Liebe Grüße
      Inga

  • Sarah

    Ich habe auch einige Burda Schnitte, die ich schon x mal genäht habe… Wer weiß, ich schaue mal ob ich diese Ausgabe auch habe, dann kommt vielleicht noch einer dazu, denn dieser Hosenrock könnte mir auch gefallen und der wäre auch Fahrradtauglich… LG Sarah

    • Inga

      Hallo Sarah,
      ich kann ihn dir nur empfehlen. Wie gesagt, bei mir heißt das schon was, wenn ich einen Schnitt so schnell ein zweites Mal nähe. Und fahrradtauglich ist der Schnitt auf jeden Fall, was anderes kommt für mich gar nicht in Frage.
      Liebe Grüße
      Inga

  • Jeannette

    Gerade habe ich mir deinen Blog zum ersten Mal genauer angeschaut und bin sehr angetan. Ich selbst nähe ja nicht richtig, sondern bessere eher aus – da kam mir dein Beitrag zum Erneuern von Bündchen gerade passend, denn genau vor diesem Problem stehe ich gerade. Super der Tipp mit dem Unterlegen des Seidenpapiers beim Nähen! Und etliche andere Tipps auch. Ich denke, ich werde mein Vorhaben so gut hinbekommen.
    Liebe Grüße, Jeannette

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