Hausschuhe-nähen
Stoffreste verwerten

Rin in die Pantoffeln! Hausschuhe nähen aus Stoffresten (mit und ohne Schnittmuster)

* Achtung: Dieser Beitrag enthält unbeauftrage und unbezahlte Werbung in Form einer Schnittmuster Empfehlung. Das Schnittmuster habe ich selbst gekauft und ausprobiert.

Ihr kennt ja sicher den Spruch „es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung“. Da ist was dran, wie ich neulich mal wieder feststellen durfte, und erstaunlicherweise nicht nur, wenn es um Draussenkleidung geht. Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber hier in Köln wird es gerade endlich winterlich – zumindest, was die Temperaturen angeht. Ja, endlich, denn ich mag eigentlich alle Jahreszeiten, wenn sie denn wirklich in ihrer ganzen Pracht auftreten. Was ich nicht mag, sind kalte Füße und da sind wir schon beim heutigen Thema. Das große Kind und ich brauchten dringend neue Hausschuhe.

2 x Hausschuhe aus Stoffresten, bitte!

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Meine vorherigen Hausschuhe waren Hüttenschuhe aus Wollfilz und ich habe sie seit inzwischen 5 Jahren. Das sah man ihnen inzwischen trotz mehrmaligem Reparieren an. Eine weitere Runde hätten sie wirklich nicht mehr mitgemacht, auch wenn ich das gerne gehabt hätte. Wir hatten eine gute Zeit miteinander, aber das war es jetzt wohl doch. Das Kind hatte gar keine passenden Hausschuhe, denn wie das mit Kindern so ist wachsen sie ständig. Immer wenn wir denken, wir sind jetzt komplett ausgestattet, werden wieder Sachen zu klein. Wir bekommen auch immer noch einen stetigen Strom an Kleidung zum auftragen weiter gegeben, was mich davor rettet, ständig neue Sachen für die Kids nähen zu müssen. Ich weiß, die meisten machen das sehr gerne, aber ich bin leider nicht der Typ dafür. Ich nähe ganz egoistisch lieber für mich selbst und repariere dafür die Kindersachen bis sie ihnen vom Leibe fallen. Leider waren bei der letzten Ladung Kindersachen, die hier ankamen, keine Hausschuhe dabei. Kaufen wäre natürlich auch eine Option gewesen, aber ich hatte noch Wollwalkreste da (unter anderem vom Füttern meines Wintermantels letztes Jahr) und was hätte sich mehr angeboten, als daraus Hüttenschuhe zu nähen?

Variante 1 – Hausschuhe nähen ohne Schnittmuster

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Die Vorlage für meine eigenen neuen Hausschuhe waren ganz einfach die alten. Ich habe einen davon aufgetrennt und die einzelnen Teile als Vorlage für die neuen genommen. Dabei habe ich entdeckt, dass zwischen der Außensohle aus (vermutlich) Kautschuk und der Innensohle aus Filz doch tatsächlich eine Folie eingenäht war. Ich frage mich, was sowas soll. Hausschuhe müssen ja nun wirklich nicht an irgendeiner Stelle Feuchtigkeit abhalten. Vielleicht ist sowas nötig, um die Außensohle anzubringen? Ich weiß es nicht. Für meine selbstgenähten Hausschuhe wollte ich sowas auf jeden Fall nicht haben. Ich hatte noch Lederreste da, die mal zu einem Sessel gehört haben und habe daraus die Außensohle zugeschnitten.

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Das aneinander nähen der einzelnen Schnittteile war relativ einfach: Zuerst habe ich das Teil für den vorderen Fuß rechts auf rechts an das vordere Schaftteil genäht. Danach kam das hintere Schaftteil wieder recchts auf rechts an das vordere. Dabei solltet ihr darauf achten, dass ihr die Naht vom Fußteil und dem vorderen Schaft mit fasst.

Es gibt übrigens zwei Möglichkeiten, eure selbstgenähten Hausschuhe zu tragen, nämlich entweder mit den Nähten nach außen oder mit den Nähten nach innen. Spätestens, bevor ihr die Sohle annäht, solltet ihr euch für eine Variante entscheiden. Ich habe mich für die erste Variante entschieden, weil sich das bei Wollwalk einfach anbietet. Erstens franst er nicht aus und muss deshalb nicht versäubert werden und zweitens werden die Nahtzugaben einfach ziemlich dick und das hätte mich beim Tragen eher gestört. Bei anderen Stoffen hätte ich mich aber wahrscheinlich anders entschieden.

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Das Annähen der Sohle war etwas tricky, muss ich sagen. Ich besitze keine Stoffklammern und wollte nicht mit den Stecknadeln ins Leder stechen, damit keine hässlichen Löcher darin sind. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass mir bestimmt nie jemand UNTER die Hausschuhe gucken wird, aber wenn es sich vermeiden lässt, muss es ja nicht sein. Um wirklich warme Füße zu haben, habe ich auch eine Innensohle aus Wollwalk zugeschnitten. Die gleichzeitig mit der Ledersohle anzunähen war leider ziemlich unmöglich, zumindest für mich. Mag sein, dass das andere hinbekommen, aber wenn man nicht mit Klammern oder Sprühkleber arbeiten möchte, wird es schwierig. Die Lösung war, die Sohlen nacheinander anzunähen.

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Ich habe erst den Hüttenschuh auf die Walksohle gesteckt und festgenäht und erst danach die Ledersohle darunter gelegt und auch angenäht. Dabei habe ich darauf geachtet, im Nahtschatten zu nähen, also genau über die erste Naht, damit es nicht auffällt. Das hat ganz gut funktioniert weil sowohl der Walk als auch die Innenseite des Leders ziemlich rau sind und deshalb nichts verrutscht ist. Wenn ihr das macht solltet ihr aber langsam nähen und immer wieder überprüfen, ob noch alles passend aufeinander liegt.

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Mit dem fertigen Ergebnis bin ich ganz zufrieden, allerdings bereue ich es ein Bisschen, keine Fersenverstärkung eingenäht zu haben. Ich hatte beim Auftrennen der alten Schuhe gesehen, dass es eine gab und sie nicht mit zugeschnitten weil ich Angst hatte, dass es mit einer weiteren Lage Walk zu dick wird. Dass das völlig ok gewesen wäre, haben mich dann die Hausschuhe für das Kind gelehrt, bzw. das Schnittmuster Comodidad Kids nach dem ich sie genäht habe.

Variante 2 – Hausschuhe nähen nach Schnittmuster

Für das Kind hatte ich wie gesagt keine alten Hausschuhe, die ich als Vorlage hätte nehmen können. Es gibt dafür im Netz jede Menge kostenlose Schnittmuster und Anleitungen, aber keine hat mich so richtig überzeugt. Ehrlich gesagt wollte ich ursprünglich auch auf keinen Fall ein Schnittmuster kaufen, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, für so etwas unspektakuläres wie Hausschuhe lohnt es sich nicht. Letztendlich habe ich mich dann aber für den Schnitt Comodidad Kids von LaLilly Herzileien entschieden und bin sehr froh, dass ich das gemacht habe.

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Das tolle an dem Schnitt ist nämlich, dass die Hüttenschuhe auf der äußeren und der inneren Fußseite unterschiedlich geformt sind, was sie viel besser in der Passform macht. Den Vorteil hatten nicht mal meine gekauften Filzpantoffeln und ich bin im Nachhinein ein Bisschen neidisch auf das Kind. Das Schnittmuster ist außerdem ziemlich reich bebildert und sehr detailliert erklärt, so dass es auf jeden Fall auch für Anfänger*innen geeignet ist. Es gibt auch verschiedene Varianten, z.B. mit oder ohne Futter, hoch und niedrig und auch mit oder ohne Reißverschluss. Und dann gibt es da eben noch die Fersenverstärkung, die ich bei meinen eigenen Hausschuhen vermisse und die ich in keinem anderen Schnittmuster gefunden habe. Die gibt den Hausschuhen mehr Stabilität und sorgt dafür, dass der Stoff hinten beim gehen nicht runterrutscht und man auf den Schuh tritt.

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Ich habe mich für die einfachste Version entschieden, also ohne Reißverschluss und einlagig, da sie aus Walk auf jeden Fall warm genug wären. Das hintere Schnittteil musste ich leider halbieren, weil ich sonst mit dem Stoff nicht hingekommen wäre. Das stört aber optisch überhaupt nicht, finde ich. Dass ich die Fersenverstärkung extra in einer anderen Farbe genäht habe, sieht man in der fertigen Version leider nicht mehr. Das Kind hat nämlich bei der ersten Anprobe bemängelt, dass die Nähte innen drücken und ich habe die Pantoffeln dann doch mit den Nähten nach außen an die Sohlen genäht. Für die bin ich übrigens genauso vorgegangen, wie für meine eigene Version.

Die hohe Variante ist dann doch etwas höher, als ich gedacht hatte, aber man kann sie ja umschlagen – das Kind wird sie wahrscheinlich mal so mal so tragen. Die fertigen Schuhe gefallen uns beiden jedenfalls richtig gut, sie wurden sogar schon als „Luxus-Hausschuhe“ betitelt. Wenn das mal kein Pro für selbstgenähte Hausschuhe ist ;-). Übrigens ist immer noch einiges an Walk übrig, da werde ich demnächst bestimmt nochmal Fäustlinge nähen.

Was für Ideen habt ihr für Wollwalk Reste? Ich freue mich über eure Ideen in den Kommentaren.

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