Refashion

Wer hat hier die Hosen an? Eine Jeans enger nähen und färben

Mein größtes Problem in Sachen „nichts zum anziehen“ sind Hosen. Ich hasse es, Hosen zu kaufen, noch dazu gibt es zwar inzwischen viele fair produzierte Hosen, aber nicht viele, die mir gefallen. Genäht habe ich schon einige, aber das war, bevor ich angefangen habe, Schnittmuster anzupassen und sie saßen nie richtig gut. Der Traum wäre für mich, einen Hosen-Grundschnitt zu haben, den ich dann immer wieder anpassen kann. Soweit bin ich allerdings noch nicht, ich hoffe, dass kommt noch. Immerhin ist jetzt meine Hosenauswahl um eine Hose erweitert, die mir gefällt. Dafür musste ich nur eine Jeans enger nähen und färben.

Das Hosen-Problem

Die Hosen, die ich in den letzten Jahren im Schrank hatte, habe ich immer im Second Hand gekauft. Bis auf wenige Ausnahmen waren sie… ok. Aber Kleidung, die nur ok ist ist nicht zufriedenstellend. Es ist nicht so, dass ich dann jedes Mal sterbensunglücklich war, wenn ich eine dieser Hosen anhatte. Aber richtig wohl gefühlt habe ich mich darin eben nicht. Das soll überhaupt nicht heißen, dass es im Second Hand keine tollen Hosen gibt – ganz im Gegenteil. Ich habe dort immer viele wahnsinnig tolle Hosen gesehen, aber die waren mir zu eng, zu groß oder zu lang. Eine Hose selbst zu nähen habe ich schon lange vor und auch ein Schnittmuster dafür hier liegen. Zeit dafür? Eher weniger. Ich hoffe, das kommt noch. Die Hemmschwelle ist allerdings relativ hoch weil ich weiß, wie lange das dauern kann und was dabei alles schief gehen kann. Trotzdem gebe ich dieses Vorhaben nicht auf.

Nicht wirklich mein Stil, aber zu schade zum weggeben.

Immerhin habe ich auch jetzt schon eine neue Hose im Schrank und das ganz ohne die viele Arbeit und auch ohne eine zu kaufen. Eine meiner eher ungeliebten Hosen gefiel mir vor allem deshalb nicht, weil sie an den Beinen zu weit geschnitten war. Ich mag Röhren- oder Skinnyjeans, Bootcutjeans dagegen finde ich höchstens an anderen gut. Warum ich sie mir gekauft habe kann ich beim besten Willen nicht erklären. Ich hatte jedenfalls vor, sie wegzugeben sobald ich eine bessere genäht hätte.

Jeans-Refashioning: Einfach enger nähen

Als ich dann vor ein paar Wochen mal wieder relativ genervt diese Hose angezogen habe, beschloss ich, sie enger zu nähen. Mir war schon klar, dass es mit einer komplett selbst genähten Hose noch lange dauern würde und ich hatte es einfach satt. Seltsamerweise war die Hemmschwelle, eine fertige Hose enger zu nähen bei mir größer, als mit einer komplett neuen Hose anzufangen. Dabei ist es gar nicht so schwer. Am besten geht es, wenn ihr schon eine schmalere und gut sitzende Hose habt, an der ihr euch orientieren könnt. Außerdem sollte die Hose nur an den Beinen enger gemacht werden müssen – wenn sie im Schritt und am Hintern zu weit ist, wird es wesentlich schwieriger.

Jeans enger nähen
Die schmalere Jeans wird über die weitere gelegt.

Ich hatte ursprünglich vor, den Schnitt der schmaleren Jeans einfach auf die weitere zu übertragen – aber das hat sich als nicht so einfach herausgestellt, da die engere schon ziemlich ausgebeult an den Knien ist (liegt wohl daran, dass ich sie so gern trage). Stattdessen habe ich dann an verschiedenen Stellen die Weite gemessen und auf die andere Hose übertragen. Egal, wie ihr es macht, es ist wichtig, dass ihr nur auf der Beininnenseite Weite wegnehmt. Die Außennähte bleiben unverändert. Achtet mal darauf: Bei engen Jeans sind die Außennähte eigentlich immer gerade und nur die Innennähte laufen nach unten hin schmal zu. Übrigens musste ich bei meiner Jeans die Innennähte auftrennen, bevor ich sie enger machen konnte. Das lag daran, dass es Kappnähte waren, was das auftrennen umso anstrengender gemacht hat (Kappnähte sind ineinander gelegte Nähte, die besonders stabil und deshalb typisch für Jeans sind).

Kappnähte auftrennen – ein wahrer Spaß

Nachdem ihr einzelne Punkte markiert habt, solltet ihr diese zu einer möglichst geschwungenen Linie verbinden. Bei meiner Hose war es so, dass sie an den Oberschenkeln schon relativ eng saß, weshalb ich dort die Weite so gelassen habe. In dem Fall solltet ihr unbedingt darauf achten, die neue Nachtlinie SANFT nach unten schmaler werden zu lassen, sonst sieht es nachher so aus, wie nach meinem ersten Versuch:

Die Beine sind zwar unten eng, aber am Knie beult sich der Stoff.

Dass ich diesen Version noch einmal aufgetrennt habe, muss ich wahrscheinlich nicht extra erklären. Auf dem Bild könnt ihr den unterschied zwischen der ersten Nacht (innen) und der zweiten (außen) deutlich erkennen. Ich kann nur empfehlen, bei solchen Versuchen immer etwas mehr Nachtzugabe stehen zu lassen – in diesem Fall war ich froh, noch etwas Spiel zu haben.

Die erste (innere) Naht läuft am Knie wesentlich steiler zu, als die zweite…

Der zweite Versuch war dann schon ganz zufriedenstellend, finde ich. Am Ende musste ich noch den Saum wieder annähen. Den hatte ich vorher abgetrennt, da ich die Hose früher einmal gekürzt habe. Es gibt eine Methode, mit der man Jeans kürzen kann, so dass sie den Originalsaum behalten – bei Gelegenheit werde ich das hier mal zeigen. Der Saum hat auf dem Bild noch die ursprüngliche Weite. Ich habe ihn also entsprechend schmaler genäht und rechts auf rechts an die Hose gesteppt.

Ein ganz schöner Unterschied…

Färben oder nicht?

Ich habe schon eine blaue Jeans, mir fehlte allerdings eine schwarze Hose zu meiner Capsule Wardrobe. Ich habe lange überlegt, ob ich die Jeans einfärben soll oder nicht. Das Problem: Textilfarben, zumindest schwarze, gibt es nicht auf ökologischer Basis. Zumindest ist mir keine bekannt (falls ihr eine kennt, schreibt mir doch einen Kommentar dazu). Die Farbe, die ich benutzt habe, ist mit dem Öko-Tex 100 Siegel ausgezeichnet und wird im Beipackzettel als „humanbiologisch unbedenklich“ ausgewiesen. Das mag sich vielleicht zunächst ganz gut anhören, heißt allerdings beiweitem nicht, dass sie besonders ökologisch oder nachhaltig ist. „Humanbiologisch unbedenklich“ sagt absolut nichts darüber aus, ob und wie bedenklich die Farbe für andere Organismen ist. Auch das Öko-Tex 100 Siegel steht nicht zwangsläufig für Nachhaltigkeit. Ich habe das lange geglaubt. Letztendlich wird nach diesem Standard aber nur das Vorkommen von Schadstoffen im Endprodukt geprüft – was im Herstellungsprozess passiert ist für das Siegel nicht relevant (vergl. https://www.oeko-tex.com/de/unsere-standards/standard-100-by-oeko-tex).

Entsprechend lange habe ich überlegt, ob ich sie nun verwenden soll. Warum ich die Farbe trotzdem benutzt habe? Ich habe abgewägt, was schwerer wiegen würde – eine Hose in die Altkleidersammlung geben weil ich sie so nicht mehr tragen möchte und stattdessen eine neue nähen oder kaufen. Oder eben sie einzufärben und sie so hoffentlich noch einige Jahre zu tragen. Ich habe mich an den Spruch gehalten, nachdem das nachhaltigste Kleidungsstück das ist was nicht erst produziert werden muss – und mich für letzteres entschieden. Um genau sagen zu können, welche Variante die nachhaltigere ist, bräuchte ich wahrscheinlich eine entsprechende wissenschaftliche Ausbildung. Es bleibt also in solchen Fällen nur ein gutes Abwägen und am Ende das Treffen einer bewussten Entscheidung. Ich habe auch nicht vor, jetzt ständig munter Kleidung einzufärben – zumindest nicht mit herkömmlicher Textilfarbe. Ich hätte aber Lust, mich in Pflanzenfärbetechniken zu versuchen.

Meine neue alte Jeans

Am Ende habe ich eine neue schwarze Röhrenjeans. Sie gefällt mir ganz gut, könnte aber unten ein Bisschen enger sein, finde ich. Außerdem ist mir beim wieder zusammennähen der Innennaht oben wohl die Nacht verrutscht, was dazu führt, dass die Hose am Oberschenkel und im Schritt Falten zieht. Ich habe mich vorerst nicht getraut, es auf noch einen Versuch ankommen zu lassen – vielleicht braucht das noch etwas Zeit. Ich trage die Hose aber auch so gerne und vor allem viel lieber als vorher (da kam sie nur zum Einsatz, wenn alles andere in der Wäsche war).

Neue schwarze Röhrenjeans – leider ist das Bild etwas dunkel geraten.

Wie viele Ziernähte sie hat, ist mir übrigens erst durch das Färben aufgefallen. Für gewöhnlich sind auch bei Jeans aus 100% Baumwolle die Fäden aus Polyester, weshalb sie nicht mit eingefärbt werden. Dass die Hose trotzdem 100% Baumwolle im Waschzettel stehen hat, liegt übrigens daran, dass Faseranteile von bis zu 2% in Deutschland nicht deklariert werden müssen. Habt das immer im Kopf, wenn ihr Kleidung färben möchtet – es kann einen schönen Effekt haben oder auch total blöd aussehen, je nachdem wie die Nähte zur späteren Farbe passen.

Nähte aus Polyester werden nicht mitgefärbt.

Was ist mit euch? Wie steht ihr zum Färben von Kleidung und habt ihr irgendwelche Tipps dazu? Wenn ja, hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

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