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Nähkästchen

Sew sustainable? Teil 4: Wie viel Kleidung brauche ich eigentlich?

Hand auf‘s Herz – wie viele Sachen aus eurem Schrank zieht ihr nicht oder nicht so gerne an? Ich hatte lange das Problem, dass ich zwar noch nicht einmal so viele Sachen im Schrank hatte, aber auch dabei nicht allzu viele waren, die mir gefielen. Genauso ging es mir früher mit Stoffen, die ich spontan gekauft und dann nie vernäht habe. Vor einigen Jahren habe ich dann angefangen, radikal auszusortieren. Es ist seitdem nicht wirklich leer geworden in unserer Wohnung, aber mein Blick auf das, was wir brauchen, hat sich dadurch sehr verändert. Seit ich an meiner Capsule Wardrobe arbeite habe ich natürlich noch mehr Fokus darauf gelegt, mir wirklich gute und passende Kleidung zu nähen und versuche, auch nur dafür Stoffe zu kaufen.

Aber auch in anderen Dingen empfinde ich es als befreiend, weniger zu haben. Das Prinzip heißt Minimalismus und ist in den letzten Jahren regelrecht zu einem Modewort geworden – oft genutzt, aber leider auch oft falsch verstanden. Um doch nochmal einen genaueren Blick darauf zu werfen, habe ich mit Jasmin Mittag vom Podcast Minimalismus JETZT! gesprochen. Jasmin hat in ihrer ersten Podcast Staffel das Thema Minimalismus aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Nun steht die zweite Staffel an, für die sie ein Jahr als digitale Nomadin unterwegs sein und verschiedene Wohn- und Lebensformen ausprobieren wird. Dafür hat sie gerade ihre Wohnung aufgelöst und sich noch einmal ganz bewusst damit auseinander gesetzt, welche ihrer Sachen sie eigentlich wirklich braucht. Die ideale Gesprächspartnerin also, wenn es um die Frage geht, wie wir bewusster mit Kleidung und Stoffen umgehen können.

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Inga: Jasmin, du bist Minimalistin – was bedeutet das für dich?

Jasmin: Minimalismus ist für mich eine Lebensphilosophie, die mir als Anhaltspunkt und als Perspektive auf die Welt dient. Ich sehe schon den Leitsatz, sich auf Wesentliches zu konzentrieren, als gute Anregung, die ich versuche in allen möglichen Lebensbereichen anzuwenden. Das ist natürlich so, dass das nicht auf einmal in allen Lebensbereichen funktioniert und auch nicht durchgängig. Aber ich finde es spannend mit so einer im Prinzip simplen Leitidee mal in alle Lebensbereiche reinzuschauen, sie zu überprüfen. Für mich ist es im Prinzip ein Konzept, an dem ich mich in allen Belangen orientieren kann.
Und ich sehe es als Weg, der erst am Lebensende zu Ende sein wird. Es gibt nicht das Ziel, irgendwann nur noch so und so viel Dinge zu besitzen und dann war es das mit dem Minimalismus.

Inga: Die meisten Leute, denen ich von Minimalismus erzähle, sind erst mal abgeschreckt, weil es sich für sie nach vielen Einschränkungen anhört. Was sind denn deiner Meinung nach die Vorteile dieser Lebensweise, insbesondere im Hinblick auf Konsum?

Jasmin: Ich finde, dass wir dringend am Image von Minimalismus arbeiten sollten, weil durch die Berichterstattung in den letzten 10 Jahren ein verzerrtes Bild entstanden ist. In Bezug auf Konsum ist es für mich so, dass Minimalismus mich dazu anregt, bewusster zu konsumieren wann immer es eben möglich ist. Vor allem bei Dingen wie Kleidung heißt das für mich auch, erst mal ein Innehalten und einen Konsumstopp als Haltung zu entwickeln und zu sagen: “Hey, ich habe doch eigentlich genug von dem, was ich wirklich brauche“. In anderen Bereichen – also bei Verbrauchsgegenständen heißt es, auch mal bewusst zu überprüfen, wofür gebe ich eigentlich mein Geld aus? Wen oder was unterstütze ich damit? Und was sind so Dinge, die ich automatisch kaufe?
Es geht auch ein Stück weit darum, was man überhaupt in sein Leben lässt. Für mich gab es einen Wendepunkt von dem Umdenken von „Alles, was ich habe ist erst mal gut“ hin zu „Alles was ich nicht habe ist gut“. Wenn früher Leute gekommen wären und mir z.B. ein Waffeleisen geschenkt hätten, hätte ich gesagt „Ach, das ist ja toll, dann habe ich das jetzt“ – obwohl ich es gar nicht benutze. Weil ich habe ja deshalb kein Waffeleisen gehabt, weil ich es einfach nicht benötige.
Wenn ich es auf Dinge beziehe, die ich kaufe ist es natürlich so, dass es den Vorteil bringt dass ich selber nicht so viel Ballast in meinem Leben habe und am Ende nicht so viel Geld ausgebe. Und dann entsprechend auch mehr Ressourcen für andere Sachen habe, sowohl vom Platz als auch vom Finanziellen her. Die Sachen wollen ja auch alle gepflegt werden, das kostet Zeit. Und was mir jetzt ganz aktuell auch aufgefallen ist, wo ich im großen Stil aussortiert habe um mein Leben als digitale Nomadin vorzubereiten – es kostet auch unglaublich viel Zeit, die Sachen wieder los zu werden.

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Inga: Du machst ja nicht nur deinen Podcast, sondern bist auch Künstlerin. Dafür brauchst du doch wahrscheinlich auch viele Materialien. Wie vereinbarst du das mit deinem minimalistischen Lebensstil?

Jasmin: Ja, ich mache Objektkunst. Das war jetzt tatsächlich auch der größte Posten beim aussortieren und Wohnung auflösen. Denn das sind ja meine Arbeitsmaterialien. Bei meinen persönlichen Sachen ist mir das gar nicht so schwer gefallen zu minimalisieren, wenig zu haben und mit wenig auszukommen. Aber meine Arbeitsmaterialien sind insgesamt mehr als meine persönlichen Sachen.
Im Minimalismus geht es ja nicht zwingend darum nichts zu haben, sondern zu überprüfen ob das, was man hat oder was man benutzt auch wirklich wesentlich ist. Und genauso ist das bei Arbeitsmaterialien wie Kunstmaterialien oder Nähmaterialien aus meiner Perspektive auch. Da geht es natürlich auch darum zu gucken, was brauche ich denn, um kreativ tätig zu sein. Für mich ist das so, dass ich, um im kreativen Bereich auch wirklich wirken zu können, keinen Mangel spüren darf. Das heißt ich brauche ausreichend Farbe, Materialien, Leinwände, mit denen ich arbeiten kann um mich frei entfalten zu können. Ich verwerte aber auch andere Materialien weiter, die schon benutzt wurden oder mache Upcycling. Zum Beispiel benutze ich alte Schlagzeugfelle als Leinwände. Es ist für mich also ein Kompromiss und eine Kombination aus Wiederverwertung und einem bewussten Umgang mit den Materialien. Wobei ich mittlerweile auch minimalistischer agiere indem ich auch meine Kunst auf Farben beschränkt habe so wie auch meine Kleidung im Kleiderschrank. Das heißt, ich arbeite jetzt nur noch mit den Farben Schwarz, Weiß und Rot.

Inga: Also für mich beim Nähen ist das anders, ich kaufe Stoffe eher gezielt für bestimmte Nähprojekte ein. Mich würde es eher überfordern wenn ich so viel hätte. Aber ich musste gerade an andere Näherinnen denken, die ja manchmal unglaublich große Stofflager haben. Ich habe das noch nie aus so einem Blickwinkel betrachtet, dass das bei manchen vielleicht auch sein muss, um die Kreativität fließen zu lassen. Es ist ja immer gut, da mal über den eigenen Tellerrand blicken zu dürfen.

Jasmin: Zum Teil geben ja auch die Materialien die Inspiration für das, was passieren soll. Ich glaube da gibt es einfach diese zwei verschiedenen Typen von Menschen oder vielleicht auch Arbeitsweisen. Mal macht man es eher so wie du, weiß eigentlich genau, was man machen will und besorgt das dann. Oder man lässt sich eben von dem was da ist inspirieren und dann entsteht dadurch auch erst das Produkt.
Ich selber bin ja auch keine geborene Minimalistin, sondern ich interessiere mich besonders für Minimalismus, weil ich ursprünglich eigentlich etwas chaotisch bin. Also ich bin von Haus aus dieser, klischeemäßig gesagt, „kreativ-chaotische Typ“ und beschäftige mich gerade deswegen so gerne mit Minimalismus.

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Inga: Dieses Bild, das man so oft transportiert bekommt, von den total asketischen Minimalist*innen, die nur 100 Dinge besitzen, entspricht bei den meisten ja auch gar nicht der Realität.

Jasmin: Nein genau, muss es ja auch gar nicht. Das ist ja für viele auch unpraktikabel und ich finde es schade, dass durch dieses Bild so viel Potential verloren geht, weil es abschreckend wirkt. Denn ich denke, dass Minimalismus tatsächlich für jede Person eine Anregung sein kann. Auch für jemanden der nicht total radikal aussortieren möchte. Weil es eben gar nicht nur um die Dinge geht, sondern es wie gesagt als Leitidee für das ganze Leben genutzt werden kann. Und es muss ja auch nicht immer alles so perfekt sein. Ich versuche auch daran zu arbeiten, dass wir die Dinge nicht so absolut sehen, weil das Leben eine Entwicklung ist. Ich habe Sachen vor drei Jahren anders gesehen als vor einem Jahr und heute sehe ich sie anders, als ich sie in zwei Jahren sehen werde. Wir sollten uns so eine Entwicklung auch zugestehen, das ist doch spannend.

Inga: Es müssen ja auch nicht alle das gleiche Ziel bei etwas haben. Wie ist das denn für dich im Hinblick auf Kleidung wenn wir über diese Besinnung auf das Wesentliche sprechen?

Jasmin: Der Kleiderschrank ist ja im Minimalismus das, was oft mit als erstes in Angriff genommen wird. Da schaut man, was habe ich da eigentlich im Kleiderschrank und was lasse ich auch neu in diesen Kleiderschrank? Weil ja tatsächlich ein Drittel der Kleidung gar nicht angezogen wird, die in der westlichen Welt gekauft wird, was eine unglaubliche Ressourcenverschwendung ist, vor allem wenn man bedenkt, wie Kleidung hergestellt wird. Die Preise für die Kleidung, die wir hier kaufen, beruhen ja normalerweise auf Ausbeutung, wenn es nicht explizite Fair Wear ist. Das muss man einfach mal so sehen und so sagen.
Für mich persönlich ist Minimalismus im Kleiderschrank schon eine große Bereicherung. Ich habe als erstes angefangen, die Farben zu reduzieren. Das heißt ich beschränke mich auf vier Farben im Kleiderschrank und das führt dazu, dass alles zusammen passt. Ich habe Schwarz, Weiß, Grau und Rot als Farben. Rot ist sozusagen meine Schmuckfarbe. Das sind meine Lieblingsfarben in Bezug auf Kleidung. Ich habe also keine Farbberatung oder so etwas gemacht, sondern das sind einfach die Farben, die ich sonst gerne anziehe. Jetzt, da ich einige Zeit als digitale Nomadin nur mit einem Koffer und einem Rucksack unterwegs sein werde, hat sich nochmal etwas geändert. Dafür habe ich meine Kleidung, nochmal überprüft, denn jetzt spielen für mich andere Faktoren eine Rolle, also z.B. dass die Sachen nicht besonders wuchtig und schwer sind. Ich habe jetzt auch Weiß rausgeschmissen, weil es unpraktikabel ist. Es soll pflegeleicht sein und nicht so schnell dreckig aussehen und muss auch mal gut auszuwaschen sein. Und der berühmt berüchtigte Zwiebellook ist jetzt bei mir natürlich auch angesagt. Das heißt, wenn es kalt ist, ist es von Vorteil wenn ich die Sachen auch übereinander anziehen kann.

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Inga: Ich finde ja, dieser Aspekt, ob Kleidung für das eigene Leben praktikabel ist, wird viel zu wenig beachtet. Beim Thema Capsule Wardrobe geht es ja oft eher darum, welche Schnitte vorteilhaft sind und welche Farben einem gut stehen. Aber ich finde, wenn man sich schon auf den Weg macht, zu reduzieren, dann sollte auch ganz ausschlaggebend sein, dass die Sachen in den eigenen Alltag passen.

Jasmin: Ja genau. Als ich jetzt überlegt habe, was ich mit auf die Reise nehme, habe ich nochmal gemerkt, dass ich echt viele Sachen in meinem Kleiderschrank habe, wo mir irgendwas nicht so ganz richtig gut gefällt. Also zum Beispiel ein T-Shirt, dass ich eigentlich gerne mag, aber wo man halt schnell Schweißflecken sieht. Oder irgendwie was, was halt nicht richtig gut sitzt. Und so hatte ich dann am Ende nur drei T-Shirts wo ich gesagt habe, die sind es wert, dass ich sie mitnehme. Da habe ich mir dann noch ein viertes besorgt.

Inga: Wie viele Kleidungsstücke besitzt du jetzt insgesamt noch?

Jasmin: In meinem Koffer sind momentan 35 Sachen mit Schuhen und Sportsachen. Es ist aber nicht meine gesamte Kleidung. Ich habe auch noch Sommerkleidung, die ich aber nicht dabei habe. Das sind dann vielleicht nochmal 35 Teile, schätze ich.

Inga: Was meinst du denn, egal ob selber nähen oder kaufen, was man bei einer Capsule Wardrobe beachten sollte, damit sie auch wirklich nachhaltig ist. Weil ich finde, das ist gar nicht automatisch der Fall – z.B. wenn man sich jede Saison komplett neu einkleidet.

Jasmin: Ich denke, dass eine Reduktion auf verschiedene Farben eine gute Idee ist und das man einfach schaut, was sind Schnitte, die mir auch wirklich gut stehen und somit Sachen hat, die sich gut kombinieren lassen. Ich habe da aber auch leichtes Spiel, weil ich sowieso eher klassische Sachen mag. Ich brauche es nicht besonders modisch, sondern ich weiß einfach, was mir steht.
Das Problem an dem Thema nachhaltige Kleidung ist auch, dass das ja von sehr vielen verschiedenen Perspektiven aus zu betrachten ist. Ich hatte z.B. auch schon Fair Wear Kleidung, die schnell ausgeblichen ist. Bei Stoffen geht es ja auch darum, dass sie pflegeleicht sind und auf der anderen Seite aber auch robust, damit sie gut halten. Ich glaube auch, das bei mir in der Vergangenheit vielleicht das Problem war, dass ich die Sachen zu heiß gewaschen habe.

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Inga: Ja, das Thema Wäschepflege ist echt nicht zu unterschätzen. Gerade beim Nähen stecken die Leute ja viel Arbeit rein, und dann ist es schon frustrierend, wenn z.B. ein Stoff schnell ausbleicht.
Was den zeitlosen Stil angeht: Ich renne ja auch nicht jeder Mode hinterher, aber auf Instagram wird man so viel mit schönen Stoffen und Schnittmustern und auch mit dem Output anderer Näher*innen konfrontiert, dass es manchmal schwer fällt, sich da nicht mitreißen zu lassen. Hast du da einen Rat aus deiner Minimalismuspraxis, wie man das Richtige für sich rausfiltern kann?

Jasmin: Da kommt das Thema digitale Achtsamkeit ins Spiel. Durch die sozialen Netzwerke ist es eben so, dass wir doch schnell sozialen Druck verspüren, irgendwie mitmachen zu müssen oder zu wollen. Ich glaube, dass es uns im Großen und Ganzen gut tut, das nur sehr reduziert zu konsumieren. Ein Mittel ist z.B. sich selbst Zeiten einzuräumen und zu sagen: „Hey, ich möchte hier vielleicht jeden Tag nicht mehr als 15 Minuten investieren“, oder “ich möchte vielleicht nur zwei Mal in der Woche rein gucken“. Das ist etwas was mir auch noch nicht gelingt. Aber wir müssen es mal so sehen, das es ja früher auch ohne funktioniert hat. Und dann ist es ja jetzt auch schon eine Bereicherung, wenn man es zwei Mal in der Woche für 15 – 30 Minuten nutzen kann. Weil die Netzwerke ja auch so konzipiert sind, dass sie ja auf der einen Seite, ganz platt formuliert, süchtig machen und auf der anderen Seite zum Vergleich anregen. Und der Vergleich tut selten gut. Das führt oft dazu, dass man sich unter Druck gesetzt fühlt und mithalten möchte, wenn es doch eigentlich um die positive Inspiration gehen soll. Und die braucht man einfach nicht jeden Tag.
Der andere Punkt ist natürlich auch, dass es viel, wie man es sprichwörtlich sagt, mehr Schein als Sein ist bzw. dass es nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit zeigt. Das ist ja auch unvermeidbar. Für mich ist es so, manchmal poste ich jeden Tag was und manchmal aber auch drei Wochen gar nicht. Und da muss auch jede Person die mir folgt mit klarkommen.
Ich sehe es so: Die Dosis macht das Gift. Das mit der Inspiration ist eine schöne Sache. Man muss nur gucken, dass man das richtige Maß findet.

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Inga: Spätestens im „richtigen“ Leben, nämlich im Stoffgeschäft, werden dann aber doch viele schwach angesichts der vielen „Streichelstoffe“. Das sind Stoffe, die man vor allem deshalb kauft, weil sie so schön aussehen und sich schön anfühlen. Hast du ein paar Tipps gegen Spontankäufe?

Jasmin: Ja, das Eine ist einfach, Spontankäufe zu vermeiden indem man sich den Kaufwunsch notiert und dann eine Zeit lang wartet. Wie lange hängt ein Stück weit von der Ware und den Gegebenheiten ab, das kann eine Woche oder auch vier Wochen sein. Oft genug zerstreut sich dann dieser Kaufwunsch. Das Zweite ist natürlich, nur ganz gezielt mit einem Einkaufszettel einkaufen gehen und sagen „ich brauche heute diesen neuen Stoff für diesen Rock und ich werde auch nur diesen Stoff kaufen“. Und der dritte Hinweis ist, sich selber Fragen zu stellen. Brauche ich das wirklich? Macht mich das glücklich? Was möchte ich ganz genau damit machen? Wie sinnvoll ist das? Und vielleicht auch: Wo kommt das eigentlich her und wer hat es hergestellt? Ist das vielleicht etwas, was bei mir dann am Ende nur rumliegt und wie viele Ressourcen wurden eigentlich dafür aufgewendet, damit ich das jetzt hier kaufen kann?
Manchmal ist man ja so in einem Rausch, man sieht etwas, verliebt sich darin und dann möchte man, dass es zu einem gehört – man möchte es haben. Und manchmal würde es da eben helfen, den Rausch irgendwie zu überstehen und dann z.B. festzustellen, ich brauche eigentlich gar nicht noch einen Rock aus so einem ähnlichen Stoff. Denn das ist auch etwas was mir aufgefallen ist. Man findet oft Sachen schön, die man schon in der Art zu Hause hat.

Inga: Minimalismus steht ja für viele auch für das Prinzip Qualität vor Quantität. Allerdings ist z.B. ein GOTS zertifizierter Biostoff teurer als ein herkömmlich produzierter Stoff. Muss man sich diese Haltung nicht auch erst leisten können?

Jasmin: Meine persönliche Erfahrung ist, dass wenn ich sparen möchte oder wenn ich in der Vergangenheit versucht habe zu sparen, ich oft am Ende sogar mehr Geld ausgebe. Weil ich dann im ersten Anlauf oft Dinge kaufe, die nicht so lange halten und die nur eine Übergangslösung sind und ich dann relativ schnell nochmal etwas ähnliches kaufen muss. Ich halte es für sinnvoll, vielleicht auch wirklich nur die Hälfte zu kaufen und dann aber das Doppelte dafür auszugeben. Oft ist es so, dass es sich lohnt länger zu warten oder halt weniger von einer Sache zu kaufen und dafür aber eine bessere Qualität. Es ist aber nicht immer ganz so einfach, weil Preis und Qualität ja nicht unmittelbar zusammen hängen und wir die Qualität nicht immer unmittelbar erfassen können, wenn wir z.B. einen Stoff vor uns haben. Manchmal zeigt sich das ja erst im Gebrauch, ob er sich verzieht oder einläuft oder die Farbe so bleibt. Aber, ja, ich finde im Großen und Ganzen dass dieser Vorwurf nicht wirklich gerechtfertigt ist. Wir brauchen ja alle Kleidung, wissen aber auch alle, dass wir mit sehr wenig Kleidung auskommen können. Und auf der anderen Seite gibt es auch einfach so viel, was neuwertig ist, an das man auch günstiger drankommen kann. Es ist ja durchaus möglich, z.B. bei sozialen Kaufhäusern oder bei Tauschmärkten an Stoffe und Kleidungsstücke heranzukommen, die eine gute Qualität haben und nicht wirklich teuer sind. Es ist halt eher eine Frage des Aufwands sich damit zu beschäftigen.

Inga: Qualität vor Quantität hieße dann im Umkehrschluss also auch, dass man weniger Sachen kauft. Und für die dann mehr auszugeben gleicht sich dann am Ende aus?

Jasmin: Man muss es sich eben erlauben. Also ich habe mir jetzt auch das erste Mal in meinem Leben einen Pullover für 150€ gekauft, von einer nachhaltigen Marke, und das fühlt sich immer noch ein Bisschen verrückt an. Das ist aber einer von insgesamt zwei Pullovern, die ich jetzt habe und ich freue mich jeden Tag darüber.

Inga: Du hast dich da wahrscheinlich auch mit der Auswahl länger beschäftigt, als wenn du einen Pulli für 30 € gekauft hättest, oder?

Jasmin: Ja, es steckt dann mehr Wertschätzung darin und am Ende geht es ja auch um Wertschätzung für uns selbst. Denn die Dinge strahlen auf uns zurück und wir schätzen uns selber wert, wenn wir den Dingen mit denen wir uns umgeben, der Umwelt und unseren Mitmenschen Wertschätzung gegenüber bringen.

Inga: Das finde ich total schön. Könnte man glatt als Schlusswort stehen lassen.

… Und das haben wir dann auch gemacht. Wenn ihr jetzt neugierig auf das Thema Minimalismus geworden seid, schaut ruhig mal bei Jasmin auf Instagram, Facebook oder auf direkt auf ihrer Website minimalismus.jetzt vorbei. Und falls ihr Lust bekommen habt, auszusortieren, geht es hier im Blog morgen unter anderem darum, wie ihr eure Stoffe loswerden könnt. Ich freue mich, wenn ihr wieder mitlest und natürlich auch über eure Kommentare.

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