Meinung & Gedanken

5 Wege, deinen Reparaturstapel klein zu halten (oder ihn gar nicht erst zum Stapel werden zu lassen)

Wie oft hast du dir schon Sachen zum Reparieren beiseite gelegt, gedacht „das mache ich ganz bald“ und kurze Zeit später das nächste Teil oben drauf gepackt? Ich selbst mache das regelmäßig. Ich bin nicht stolz drauf, aber mein Stapel unreparierter Teile ist einfach konstant groß. Und das, obwohl ich Reparieren und das darüber schreiben zum Nebenberuf gemacht habe.

Warum habe ich überhaupt einen Reparaturstapel?

Ich gebe sogar zu, dass mehr als nur einmal eine Kinderhose so lange auf diesem Stapel lag, bis sie dem Kind zu klein war. Ich repariere sie dann zwar trotzdem irgendwann und gebe sie weiter, aber ideal ist es nicht. Bei mir ist es so: Ich repariere für mein Leben gerne, aber am liebsten Sachen, die mich herausfordern. Das sind aber tatsächlich meistens meine eigenen oder die von anderen Erwachsenen. Kindersachen reizen mich da nicht sonderlich, aber das sind nun mal die, die am meisten kaputt gehen.

Ein anderer Aspekt ist der Zeitmangel, den wahrscheinlich so einige kennen werden. Neben Arbeit, Kindern, Alltag ist es nicht immer einfach sich die Zeit zu nehmen. Wenn bei uns die Kinder im Bett sind, ist mir oft einfach nicht mehr danach, noch die kaputten Hosenbeine aufzutrennen. Vielleicht kommt dir das ja bekannt vor ;-).

5 Methoden, um den Stapel in den Griff zu bekommen

Über die Jahre habe ich verschiedene Methoden ausprobiert, um den „Stapel“ in den Griff zu bekommen. Manche haben sich, zumindest zeitweise, bewährt. Für mich persönlich habe ich die passende noch nicht ganz gefunden, aber ich dachte mir, ich stelle hier mal ein paar Möglichkeiten vor, die ich ausprobiert oder bei anderen beobachtet habe. Es kann schließlich sein, dass die passende für dich dabei ist.

1. Sofort erledigen

Ja, ok, Sachen sofort zu reparieren ist auf den ersten Blick die logischste Methode, hat aber in der Realität ein paar Nachteile, wie ich finde. Erstens ist in der Regel einfach nicht immer Zeit, es „zeitnah“ zu schaffen. Zweitens braucht es manchmal auch einfach eine Weile, bis die richtige Idee da ist. Wovon ich abraten würde ist, kaputte Kleidungsstücke direkt in eine Kiste oder Schublade zu packen – solange sie sichtbar bleiben, ist die Chance dass du sie reparierst einfach größer. Bei mir selbst sind sie allerdings tatsächlich in einer Schublade unter gebracht – aber das nur, weil ich an die sehr oft für meine Arbeit dran muss und daher die Teile immer mal wieder zu sehen bekomme.

2. Ein repariertes für ein neues

Eine Methode, die ich selbst noch nicht ausprobiert habe ist, vor jedem neuen Nähprojekt ein oder mehrere Teile zu reparieren. Ich kann mir vorstellen, dass sich daraus eine gute Routine entwickeln lässt. Ein Vorteil ist bestimmt, dass es sich viel leichter kreativ arbeiten lässt, wenn der Stapel unerledigter Sachen möglichst klein bleibt. Außerdem gibt es einem meistens einen kleinen Motivationsschub, wenn man etwas abgeschlossen hat. So startest du also in neue Nähprojekte gleich mit mehr Elan. Für mich würde diese Methode leider deshalb nicht funktionieren, weil ich kaum noch neue Sachen nähe. Wenn du aber regelmäßig nähst, probier sie vielleicht einfach mal aus.

3. Gleiches mit gleichem reparieren

Gleiches mit gleichem zu reparieren mache ich wirklich gerne, soweit es sich anbietet. Anstatt einer kaputten Hose, einem Reißverschluss und einem Knopfloch nehme ich mir lieber direkt fünf Hosen mit kaputten Knien vor. Gerade, wenn man sie mit derselben Technik repariert, geht das schneller von der Hand und es ist gleich ein ganzer Schwung erledigt. Allerdings muss dafür auch etwas mehr Zeit eingeplant werden, als nur für ein einzelnes Teil.

4. Feste Zeiten einplanen

Eine Zeit lang hatte ich freitags bei mir zum Reparaturtag erkoren und dadurch eine feste Routine. Meistens habe ich mir ein oder zwei Tage vorher überlegt, welche Sachen ich reparieren will und dafür gesorgt, dass ich alles da habe, was ich dafür brauche. Die Regelmäßigkeit war dabei für zwei Sachen gut: Ich habe nicht immer viel, aber dafür jede Woche Sachen geflickt und dadurch den leidigen Stapel immerhin konstant klein gehalten.

Vor allem aber habe ich überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet, am Freitag Vormittag etwas anderes zu machen. Es hat zwar etwas gedauert, mir diese Routine anzugewöhnen, aber als es einmal lief, war es super. Leider sind mir da irgendwann Termine dazwischen gekommen, so dass ich es nicht bis heute beibehalten habe. Wenn du zeitlich die Möglichkeit hast, dir eine feste Reparaturzeit einzuplanen, kann ich es dir aber nur empfehlen.

5. Sich mit anderen Verabreden

Ich selbst habe es nie gemacht, aber ich weiß von anderen, dass sie regelmäßig zu Näh- oder Stricktreffs gehen. Dasselbe könnte ich mir fürs Reparieren auch gut vorstellen, allerdings ist das vor Ort mit Nähmaschine natürlich schwierig – es sei denn, man wechselt sich ab. Manchen fällt es auch einfach leichter, etwas mit anderen gemeinsam zu erledigen. Die fest eingeplanten Zeiten sind dabei ja sogar automatisch mit drin.

So oder so – mein Stapel muss weg!

So gut diese Methoden auch sind, mein Stapel mit Flicksachen verschwindet nie ganz. Kein Wunder bei dem Tempo, in dem meine Kinder ihre Hosen kaputt kriegen. Aber es sind nicht sie allein – ich kaufe mir selbst auch gerne Sachen auf dem Flohmarkt oder nehme etwas vom Kleidertausch mit und immer mal wieder sind Teile darunter, die kaputt sind oder kurz danach kaputt gehen. Wegwerfen will ich die natürlich nicht und meine Pläne dafür sind oft ausschweifender, als sich mal eben schnell erledigen lässt („hm, also wenn ich jetzt eh schon den Reißverschluss austauschen muss, dann könnte ich doch gleich noch den Saum kürzen und die Taschenklappen wegnehmen…“).

Demnächst ziehen wir um und beim sichten meiner Sachen ist mir (nicht zum ersten Mal) klar geworden, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich brauche definitiv eine neue Reparaturroutine und möchte außerdem andere motivieren, dabei mitzuziehen. Die perfekte Methode gibt es dabei wahrscheinlich nicht, aber ein fester Termin und gemeinsames Arbeiten mit anderen lassen sich auch online gut umsetzen.

Das online Repair Café

Niemand müsste Nähmaschinen durch die gegen schleppen oder warten, bis die eine Nähmaschine frei ist. Stattdessen könnten alle an ihren eigenen Nähtischen sitzen, etwas zu knabbern oder zu trinken neben sich und gemütlich vor sich hin werkeln. Austausch und Tipps gegenseitige Tipps natürlich inklusive.

Aus diesen Überlegungen ist das Online Repair Café entstanden, das am 10.10.2022 zum ersten Mal stattfindet. Alle, die dabei sein möchten, können sich ein Ticket kaufen und bekommen dann einen Zoom-Link als Eintrittskarte. Das ist zwar nur ein erster Termin und noch längst keine Routine – aber es kann eine werden. Ich habe jedenfalls vor, das Repair Café in Zukunft regelmäßig anzubieten und überlege noch, welcher Turnus dafür sinnvoll wäre. Einmal im Monat, alle zwei Monate, einmal im Quartal? Das wird sich durch das Feedback der Teilnehmer*innen sicher mit der Zeit herauskristallisieren.

Erstmal freue ich mich einfach total auf diesen ersten Termin – und falls du dabei bist, natürlich auch auf dich :-).

Hi, ich bin Inga - nähbegeisterte Autodidaktin und leidenschaftliche Refashionista. Hier auf Need for Needles zeige ich dir, wie du deine Kleidung mit Reparaturen und Änderungen länger tragen kannst.

2 Comments

  • Karin O.

    Das online Repair Café war gestern sehr schön. Da unsere Runde recht klein war, konnten wir uns sehr gut miteinander austauschen und das Reden war auch nicht die „Hauptsache“ beim Treff. Wir haben durchaus auch schweigend vor uns hin gewerkelt. Ich hatte jedenfalls am Ende meine ganzen Sachen, die ich mir zum Reparieren vorbereitet hatte auch schon fertig repariert. Beim nächsten Mal, welches es hoffentlich geben wird, muss ich mir unbedingt noch mehr Sachen bereit legen, sonst habe ich nicht genug zu tun 😉
    Es war für mich auf alle Fälle ein voller Erfolg. Und an dieser Stelle möchte ich dir, liebe Inga, für die Idee und deren Umsetzung ganz herzlich Dankeschön sagen.
    Viele Grüße von Karin

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