Saum abrunden DIY
Nähen nach Schnittmustern

Die Hose rockt, Teil 3 – einen Saum abrunden mit DIY Saumabrunder

Schreibt die schon wieder über den blöden Hosenrock? Ja, ich muss. Denn ich habe beim nähen dieser Culotte so viel gelernt und mich an so viel früher gelerntes erinnert, dass ich es einfach festhalten möchte. Heute geht es darum, wie man den Saum abrunden kann – und das möglichst gleichmäßig und ohne fremde Hilfe, denn die ist ja nicht immer zur Hand.

Ich hatte in Teil I ja schon angedeutet, dass der Saum zunächst schief war. Nachdem ich ihn brav nach Anleitung überall gleichmäßig abgemessen, eingeschlagen, gebügelt und festgesteppt hatte, lag er trotzdem hinten ein ganzes Stück höher als vorne. Meine erste Reaktion war ungefähr „ist mir egal, ich lass‘ das jetzt so“. Damit kam ich auch einen ganzen Tag ziemlich gut zurecht und die Hose hat trotzdem viel Zuspruch bekommen. Aber wie das bei solchen Sachen so ist, man selbst weiß es einfach. Auch, wenn es anderen vielleicht gar nicht auffällt, man weiß dann, dass es besser geht. Also habe ich mich daran gemacht, den Saum zu begradigen und ihn bei der Gelegenheit noch etwas höher zu legen.

Saum abrunden vorher
Der Saum liegt vorne ein ganzes Stück tiefer als hinten.

Ich hatte die Culotte ja bereits im Papierschnitt um mehrere Zentimeter gekürzt, fand sie aber trotzdem etwas zu lang. Sie hatte ungefähr 7/8-Höhe, wie auch im Schnittmuster gedacht, aber ich finde diese Länge für mich einfach nicht schön. Den Versuch war es wert, aber ich bin ja nicht allzu groß gebaut und habe immer das Gefühl, noch etwas kürzer auszusehen. Was ich aber mag sind Hosen die knapp unter dem Knie enden. Diese Länge sollte es also sein, nur bitte schön gleichmäßig auf allen Seiten.

Etwas Theorie: Warum ein Saum schief liegt

Aber woran genau liegt es eigentlich, wenn Hosen oder Röcke hinten höher sind als vorne? Die traurige Wahrheit: Am sogenannten Entenpo. Ja, in der Nähwelt gibt es wirklich fiese Begriffe, finde ich. Aber am Ende ist es auch egal, wie man es nennt, es hilft, zu wissen woran es liegt und wie man Schnitte entsprechend abändern kann. Und logisch ist es obendrein, dass das bei mir der Fall ist, schließlich habe ich ja auch ein Hohlkreuz, wie ich neulich endlich eingesehen habe (vom Kreuz mit dem Hohlkreuz habe ich hier schon berichtet). Und naja, wenn man abräumt, dann richtig, denn das Hohlkreuz geht in der Regel mit dem Entenpo Hand in Hand und zusammen ziehen sie so einen Saum richtig schön nach oben. Und das geht so: Das Hohlkreuz verkürzt bekanntermaßen den unteren Rücken. Dadurch wird der Po nach oben gezogen und steht etwas heraus. Der Stoff muss dann ganz plastisch ausgedrückt mehr Fläche umhüllen. Die Länge Stoff, die dafür draufgeht, fehlt nachher unten am Saum. Das ist das ganze Geheimnis. Wenn man das weiß, kann man also entweder einen Schnitt schon im Voraus ändern und ihm die entsprechende Länge hinten zugeben, oder man begradigt den Saum im Nachhinein. Ich halte die zweite Methode für sinnvoller, weil man an der (fast) fertigen Hose wahrscheinlich viel besser beurteilen kann, auf welcher Höhe der Saum am besten gefällt.

Die Praxis: Einen Saum begradigen

Soviel zur Theorie, aber wie geht das in der Praxis? Zunächst sollte eure Hose bis auf den Saum komplett fertig sein. Ihr könnt schließlich erst dann beurteilen, wie ihr den Saum haben wollt, wenn wirklich klar ist, wie bzw. wo die Hose oben sitzt. Nun gilt es, den Saum so zu markieren, dass er überall denselben Abstand zum Boden hat. Das fancy Utensil dafür heißt tatsächlich „Saumabrunder“. Wobei, so fancy sieht der eigentlich nicht aus, macht ruhig mal eine Bildrecherche. Es ist ein eher sperriges Teil mit Standfuß, Schlauch, einem Fach für Kreide und einer kleinen Pumpe. Damit kann man sich ringsherum eine Kreidemarkierung auf das Kleidungsstück sprühen. Ich hatte vor Jahren mal einen und habe ihn auf dem Flohmarkt verkauft. Praktisch war das Ding schon, aber einen zu kaufen lohnt sich wohl eher für Leute, die sich häufig Röcke oder Kleider nähen. Für Hosen mit halbwegs normaler Weite kommt man locker auch ohne aus. Allerdings hätte ich ihn für die Culotte, die ja nicht weniger Stoff als ein Rock hat, tatsächlich ganz gut gebrauchen können. Nachhaltig nähen bedeutet für mich aber auch, mir nicht den Schrank mit Sachen vollzustellen, die ich nur ein oder zweimal im Jahr brauche. Deshalb wollte ich dafür unbedingt eine andere Lösung finden. Einfach selbst markieren kann man den Saum schlecht, weil sich natürlich alles verzieht, wenn man sich zum abstecken runterbeugt. Ich habe kurz überlegt, ob ich meinen lieben Mann als Saumabrunder zweckentfremden soll, aber er sah nicht so aus als hätte er da Bock drauf. Und es gibt tatsächlich eine noch einfachere Methode, die ich in einem Forum gefunden habe und die ganz ohne genervte Blicke und Augenrollen auskommt. Nichts kaufen und den Hausfrieden wahren, da bin ich dabei!

Der DIY Saumabrunder

DIY Saumabrunder
Sieht lustig aus, funktioniert aber: Ein DIY Saumabrunder.

Man nehme:
– Zwei Stühle oder einen Türrahmen
– etwas Schnur
– Kreide

Ich würde meinen, das sind alles Sachen, die in einem Haushalt zu finden sind – selbst Kreide haben Hobbynäher*innen in der Regel zu Hause. Als erstes müsst ihr festlegen, auf welcher Höhe euer Saum abschließen soll. Dann spannt ihr eine Schnur auf diese Höhe zwischen die zwei Stühle oder in den Türrahmen und reibt sie ordentlich mit Kreide ein. Stellt euch dann mit dem angezogenen Rock bzw. Hosenrock direkt daneben und dreht euch langsam im Kreis. Die Kreide bleibt dann am Stoff haften und schon habt ihr eine Markierung. Macht das aber nicht zu schwungvoll – am besten klappt es, wenn ihr euch Schrittweise dreht und dabei immer kurz mit dem Stoff die Schnur berührt. Beim Ausziehen müsst ihr dann vorsichtig sein, damit die Kreide nicht gleich wieder vom Stoff abfällt. Die Markierung bei der Culotte war danach ok – nicht so, dass ich sie gleich zum abstecken hätte nehmen können, aber doch eine ziemlich gute Grundlage. Ich habe sie noch einmal ordentlich nachgezogen und zur Sicherheit an der hinteren Mitte, vorderen Mitte und den Seitennähten die Länge ab Bund gemessen. Da gab es zwischen den beiden Hosenbeinen an je zwei Stellen 0,5 cm Differenz, die ich noch ausgeglichen habe. Aber ganz ehrlich, einen halben Zentimeter hätte wohl wirklich niemand bemerkt.

Abgerundeter Saum
So sah die Saumlinie von vorne, seitlich und von hinten und von der aus.

Die Saumlinie war danach ganz schön geschwungen, was für mich erst mal sehr irritierend aussah. Mein technisches Verständnis sagte mir zwar, dass das so richtig war („Doch, Inga, das MUSS ja hinten höher sein, das ist doch LOGISCH“), aber mein Auge fand, dass das nicht funktionieren konnte („Nein, Inga, das ist schief, das sieht man doch!“). Ich habe am Ende der Technik vertraut und lag damit zum Glück richtig. Lasst euch also nicht davon verunsichern, wenn euer Saum ungefähr so aussieht wie auf dem Bild oben.

Geduld, Geduld – einen abgerundeten Saum feststecken

Nun messt ihr von der neuen Saumlinie aus nach unten die Länge, um die ihr den Saum umschlagen wollt. Ich habe dafür rundum 4 cm angezeichnet, wie es auch im Schnittmuster vorgegeben war. Schneidet dann den Stoff unter dieser Linie mit einer Nahtzugabe von 1cm ab. Ihr könnt natürlich auch mehr Nahtzugabe stehen lassen, aber zu lang sollte sie nicht sein, weil sich das nachher hinten in der Rundung knubbeln könnte. Saumlinien zeichnet ihr übrigens am besten immer von außen an.

Als nächstes schlagt ihr dann immer erst an der unteren Linie die Nahtzugabe nach innen ein und legt dann den ganzen Saum nach innen. Eure obere Saumlinie ist die Stelle, an der der Stoff umgeschlagen wird. So steckt ihr den Saum nach und nach ringsherum ab. Je nachdem wie stark eure Saumlinie geschwungen ist, kann das etwas schwierig sein. Ich habe damit leider ziemlich gekämpft um es am Ende gleichmäßig hinzubekommen. Das Problem bei so stark geschwungenden Saumlinien ist nämlich, dass der umgeschlagene Stoff hinten breiter ist als die Saumlinie und vorne schmaler. Hinten müsst ihr also darauf achten, dass sich die Nahtzugabe nicht unschön knubbelt und vorne wird der Stoff außen wahrscheinlich etwas zusammen gezogen werden. Die Lösung war am Ende, gleichmäßig zu beiden Seiten hin zu arbeiten. Ich habe an der hinteren Mitte angefangen und mich dann abwechselnd nach rechts und links vorgearbeitet.

Saum abrunden abstecken
Leider auf dem Bild nicht so gut zu erkennen: Hinten zuviel und vorne zu
wenig Stoff zum umschlagen.

Ich denke, bei weniger geschwungenen Säumen ist das nicht so problematisch. Wenn alles gleichmäßig abgesteckt ist, wird die Saumlinie noch gebügelt – und zwar wenn möglich mit Dampf. Damit bekommt ihr euren Saum auch von außen schön gleichmäßig und flach. Innen gibt es an meiner Hose ein oder zwei Stellen, an denen der Saum kleine Falten hat. Aber die sind von außen nicht zu sehen und stören mich deshalb nicht.

Absteppen, fertig!

Zum Schluss muss euer Saum nur noch abgesteppt werden. Laut der Anleitung für meinen Hosenrock wird der Saum übrigens von Hand genäht, aber das habe ich mir gespart. Ich finde, Saumnähte können auch sehr schön aussehen und zum Stil der Culotte passt es auch, wenn man eine Naht sieht. Beim nähen gilt es noch ein letztes Mal, aufzupassen, dass keine Falten entstehen – zumindest nicht von außen. Es hilft, den Stoff „rund“ durch die Maschine ziehen zu lassen, als ihn nicht flach auf der Maschine liegen zu haben, sondern anzuheben. Das braucht allerdings etwas Übung und wenn ihr es euch (noch) nicht zutraut, näht lieber einfach langsam und hebt zwischendurch den Nähfuß an, um den Stoff glatt zu streichen.

Saum abrunden
Der fertig abgerundete Saum: Ettwas kürzer und vor allem gleichmäßiger.

Am Ende bin ich ziemlich zufrieden mit meiner Hose und finde, sie fällt wesentlich gleichmäßiger. Einen Saumabrunder werde ich mir definitiv nicht mehr anschaffen, jetzt wo ich diese Methode kenne. Falls ihr sie ausprobiert, schreibt mir doch einen Kommentar, wie es geklappt hat.

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