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Nähkästchen

Was bedeutet Refashion? Und wo ist der Unterschied zum Upcycling? Eine kleine Wortklauberei

Habt ihr euch die Frage oben auch schon mal gestellt? Wer mir hier auf dem Blog oder auf Instagram und Pinterest folgt hat bestimmt schon mitbekommen, dass Refashion eins meiner Lieblingsthemen ist. Und wie das so ist, wenn man in einem Thema voll drinsteckt, schmeiße ich mit diesem Begriff um mich als wäre das Wort so bekannt wie z.B. „Brot“, „Sonne“ oder – weil das hier ein Nähblog ist – „Nähmaschine“. Dabei vergesse ich manchmal, dass längst nicht allen klar ist, was genau Refashion bedeutet. Umso mehr habe ich mich deshalb gefreut, dass ich bei der lieben Claudia von Dreissiggrad Handmade im Podcast zu Gast sein und über meine liebstes Näh-Thema reden durfte. Passend dazu gibt es heute hier im Blog eine kleine Begriffsklärung.

Was bedeutet Refashion?

Wenn ihr den Begriff Refashion in ein Übersetzungstool eingebt, dann bekommt ihr in der Regel als Übersetzung umgestalten angezeigt. Das trifft es einerseits ziemlich genau und erklärt doch gleichzeitig zu wenig, wie ich finde. In der Mode bedeutet Refashion zwar das Umgestalten von Kleidung, aber damit ist längst nicht alles gesagt. Vor allem, weil es manchmal den Anschein macht, dass Refashion etwas sehr aufwändiges sein muss, bei dem man das ursprüngliche Teil am Ende kaum noch wieder erkennt. Kein Wunder, dass sich so manch eine*r denkt, dass das zu kompliziert für sie ist. Dabei können alle, die eine Nähmaschine haben oder mit Nadel und Faden umgehen können, Refashion machen. Was zählt ist, dass ein Kleidungsstück, das man in der Form nicht mehr trägt wieder tragbar gemacht wird – sei es durch einfache Änderungen wie Kürzen oder Verlängern, Anpassungen an die Figur oder eben doch aufwändigere Sachen wie Umarbeiten, Verzieren oder was es sonst noch so gibt. Sprich, wenn jemand ein T-Shirt kürzt und daraus ein Cropped Shirt macht fällt das für mich unter Refashion, genauso wie es zu einem Rock umzunähen. Auch Umfärben, den Ausschnitt verändern oder die Ärmel abschneiden würde darunter fallen. Und genau das ist das, was mich daran so fasziniert und wozu ich euch mit diesem Blog inspirieren möchte. Refashion bietet so unendlich viele Möglichkeiten, Sachen für euch in eurem eigenen Stil wieder tragbar zu machen, dass wirklich für jede*n etwas dabei ist, ganz egal ob Anfänger*in oder Profi. Das ausschlaggebende Kriterium ist, dass wir die Lebensdauer eines Kleidungsstücks verlängern indem wir es wieder tragbar machen, mit kleinen oder größeren Stilveränderungen.

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Neue Mode oder alter Hut?

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich habe das Gefühl dass Refashion gerade ein Bisschen zum Trend wird. Das ist eine tolle Entwicklung, nur ist es mit Trends oft leider auch genauso schnell wieder vorbei wie sie gekommen sind. Und das wäre wirklich schade, schließlich ist ausgerechnet dieser ein wirklich wirksames Mittel gegen die Überproduktion in der Mode (gilt natürlich auch für alles andere, was man wieder aufbereiten kann wie Möbel, Spielzeuge u.s.w.). Wie gesagt, ein Trend kommt und geht – aber unser Umgang mit Kleidung muss sich auf jeden Fall dauerhaft ändern und unsere Kleidung möglichst lange zu erhalten sollte eher zur Normalität gehören als ein (vielleicht kurzlebiges) Hobby zu sein. In meiner Wunschvorstellung wären Refashions, Thriftflips oder wie man es sonst noch nennen will wieder eine Selbstverständlichkeit und die Frage wäre nicht ob ein Kleidungstück angepasst werden soll, sondern allenfalls wie und von wem. Dass das zur Zeit nicht so ist, ist nämlich eigentlich eine ziemlich neue Entwicklung, die erst in den letzten paar Jahrzehnten aufgekommen ist. Davor war es ganz normal und auch notwendig, Kleidung immer wieder zu reparieren und zu ändern, denn ihre Herstellung war extrem aufwändig und arbeitsintensiv (mehr dazu habe ich hier schon einmal geschrieben). So gab es zum Beispiel früher nicht nur den Beruf des Schneiders sondern auch den der Putzmacherin. Manche kennen den Begriff vielleicht als alte Bezeichnung für Hutmacherin, aber ursprünglich waren Putzmacherinnen tatsächlich Refashion-Expertinnen. Für die meisten Menschen war es früher nämlich schlichtweg zu teuer, sich neu einzukleiden wenn sich die Mode geändert hat. Deshalb wurden oft lediglich Änderungen am Schnitt gemacht und die Verzierungen wie Spitzen, Perlen und Stickereien abgemacht und neue aufgenäht. Gehört habe ich das übrigens in einer gemeinsamen Podcastfolge von Frau Crafteln und Frau Nahtzugabe, die ich euch sehr empfehlen kann (eigentlich die gesamte Staffel „Gespräche über Kleidung„). Ganz so neu und trendy wie es manchmal scheint ist Refashion also doch nicht. Trotzdem finde ich es natürlich super, dass es im Moment so viel Anklang findet. Vom Spaß und vom Anspruch her hat es zumindest für mich einen Platz auf gleicher Höhe mit dem Nähen von neuen Sachen verdient.

Refashion, Upcycling, Reparieren – wo ist der Unterschied?

Was mit Refashion gemeint ist, wäre ja jetzt geklärt. Aber ich habe euch eine Wortklauberei versprochen und die will ich euch nicht vorenthalten. Es gibt nämlich noch eine andere Unklarheit, wenn es um den Begriff geht: Refashion wird oft gleichbedeutend mit Upcycling benutzt und umgekehrt – dabei gibt es zwischen den beiden einen gar nicht so kleinen Unterschied. Upcycling ist nämlich streng genommen nicht das Erhalten einer Sache, sondern die Herstellung von etwas Höherwertigem, oft aus Sachen, die sonst auf dem Müll landen würden. Natürlich sind die Grenzen dabei fließend und letztendlich ist es auch egal, wie ihr es nennt, Hauptsache ihr macht es ;-). Aber weil es eben mein Herzensthema ist, zucke ich innerlich immer ein Bisschen zusammen wenn diese beiden Begriffe vertauscht werden. Denn es kann (nur kann, nicht muss) auch dazu führen, dass aus Versehen Sachen Down- statt Upcycelt werden und das ist dann leider ganz und gar nicht nachhaltig. Und ja, das ist jetzt extremer Nerd-Talk, aber wenn ihr bis hier gelesen habt, könnt ihr das wahrscheinlich vertragen. Deshalb mal ein paar Beispiele, um zu erklären, was ich meine:

Nr. 1 Die Hose, die nicht mehr gefällt

Stellt euch vor, ihr habt eine Hose, die euch nicht gefällt weil sie einen Bootcut-Schnitt hat und ihr inzwischen lieber Röhrenjeans tragt. Wenn ihr die enger näht und wieder tragbar macht anstatt sie in die Altkleidersammlung zu geben, dann ist das Refashion.

Nr. 2 Die Hose, die nicht mehr zu retten ist

Irgendwann ist die Hose am Hintern durchgescheuert und ihr könnt sie beim besten Willen nicht mehr anziehen (wer mag, könnte sie reparieren aber auch das geht ja nur bis zu einem bestimmten Grad). Aus den noch guten Teilen näht ihr eine Umhängetasche oder eine Hose für euer Kind – das wäre ein Upcycling.

Nr. 3 Die Hose, die gerade zur Hand ist

Ihr habt eine tolle Upcycling-Anleitung für einen Beutel aus Jeans-Resten gesehen und möchtet es unbedingt ausprobieren. Wie gut, dass ihr noch diese Jeans im Schrank habt, die ihr eh nicht mehr tragt (die aber noch völlig in Ordnung für jemand anderen wäre). Die zerschneidet ihr und näht daraus den Beutel… nein, bitte macht das nicht, denn das wäre eher ein Downcycling weil ihr aus der gut erhaltenen Hose etwas machen würdet, das weniger Wert hat.

Wie gesagt, die Grenzen sind dabei fließend und oft greift eins ins andere. Es soll auch auf keinen Fall darum gehen, es absolut perfekt zu machen, das geht nämlich überhaupt nicht. Auch nicht darum, jedes Kleidungsstück auf Teufel komm raus am Leben zu halten oder gar weiter zu tragen wenn es euch nicht mehr gefällt, es soll schließlich Spaß machen. Aber aus meiner Erfahrung tun sich einfach mehr Möglichkeiten auf, was ihr aus eurer Kleidung noch machen könnt, wenn ihr euch dieser Unterscheidungen bewusst seid.

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Reparieren, Refashion, Repairfashion?

Als letzte Möglichkeit gibt es dann noch das gute alte Reparieren. Offene Nähte wieder schließen, Löcher Flicken, visible und invisible Mending, von Hand oder mit der Maschine – es gibt auch hier unendlich viele Varianten, Methoden und Möglichkeiten. Ich liiiieeebe Reparieren, fast genauso wie Refashion. Und so unterschiedlich sind die beiden schließlich auch nicht, sie sind sogar ziemlich miteinander verwoben finde ich. Natürlich gibt es jede Menge Reparaturen, die keine große Veränderung für das Kleidungsstück sind, sondern es einfach nur wieder ganz machen wenn es kaputt ist. Das ist ja auch der ursprüngliche Sinn und Zweck des ganzen. Aber richtig spannend wird es meiner Meinung nach erst dann, wenn es entweder möglichst unsichtbar gemacht wird (das ist nämlich manchmal gar nicht so einfach) oder das genaue Gegenteil, also sichtbar und kunstvoll. Und da kommen wir dann doch relativ schnell wieder zur Refashion, nämlich dann wenn mit einer Reparatur auch der Stil eines Teils verändert wird. Und das passiert ziemlich oft, denkt mal an Jeans, die mit Sashiko geflickt wurden oder Stickereien auf ursprünglich schlichten Blusen.

Es gibt nichts gutes, außer man tut es

Ich hoffe, ich habe euch nicht mit Begrifflichkeiten erschlagen. Wie auch immer ihr es am Ende nennt und welche Methode ihr euch auch aussucht, ich kann euch nur bestärken, Refashion in euren Nähalltag aufzunehmen – nicht als Ersatz, sondern als tolle Ergänzung zu eurem Hobby. Denn klar ist, wer nähen kann, kann auch Kleidung umändern und anpassen. Und ein Teil, das man schon abgeschrieben hatte wieder zu neuem Leben zu erwecken ist einfach nur toll. Ich persönlich trage meine Refashions und Reparaturen mindestens genauso gerne wie meine neu genähten Sachen – und habe auch mindestens genauso viel Spaß bei der Arbeit daran.

Übrigens findet ihr natürlich auch hier im Blog jede Menge Ideen zu Refashion, Reparieren und Upcycling. Und wenn ihr erfahren wollt, wie ich dazu gekommen bin und wie ich bei meinen Refashions vorgehe, dann hört euch unbedingt die neue Folge von Dreissiggrad Handmade an.

Habt ihr auch schon das ein oder andere Teil geändert? Oder würdet ihr gerne und wisst nicht genau, wo ihr anfangen sollt? Ich würde mich freuen, eure Erfahrungen oder auch Bedenken dazu zu hören. Schreibt mir also gerne einen Kommentar.

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4 Comments

  • Nria

    Ich kenne den Begriff Upcycling in genau der umgekehrten Definition – aber das verwendet halt sowieso jeder, wie er lustig ist 😀
    Persönlich würde ich es NICHT als Downcycling bezeichnen, eine noch tragbare Hose zu etwas anderem (was man dann auch verwendet!) umzunähen. Denn: Der Altkleidermarkt ist dermaßen übervoll, dass es schwierig ist, gebrauchte Kleidung an den Mann zu bringen, auch wenn sie noch so gut erhalten oder gar neuwertig ist. Dann doch lieber etwas Neues daraus nähen – am besten natürlich etwas, das man wirklich braucht und für das man sonst neues Material hätte kaufen müssen.

    • Inga

      Liebe Nria,
      die Begriffe werden sehr vermischt verwendet, aber die Definition von Upcycling ist tatsächlich, dass man etwas höherwertiges herstellt, oft aus Sachen, die sonst keine Verwendung mehr hätten. Aber wie ich schon geschrieben habe muss man es damit natürlich nicht so streng nehmen. Mir war es nur wichtig, diese Begriffe mal voneinander abzugrenzen, weil ich immer wieder feststelle, dass nicht allen klar ist worum es geht, wenn ich von Refashion rede. Das Argument mit dem Altkleidermarkt ist natürlich richtig und wenn man etwas herstellt, was man wirklich braucht finde ich das überhaupt nicht problematisch. Allerdings sieht man eben auch oft Upcycling-Projekte, wo am Ende viel guter Stoff übrig bleibt und dann finde ich persönlich das nicht sonderlich sinnvoll oder nachhaltig. Grundsätzlich liegt es mir aber fern, Leuten vorzuschreiben ob sie das auf die eine oder die andere Art machen sollen – Wiederverwertung ist ja grundsätzlich erstmal gut.
      Liebe Grüße
      Inga

      • Hana Mond

        Ich sehe auch kein Problem in Projekten, wo viel Stoff übrig bleibt – denn wie schon gesagt: Der Altkleidermarkt quillt über, und es besteht kein Bedarf für _noch_ mehr Kleidung auf dem Altkleidermarkt. Häufig handelt es sich ja auch nicht hochwertige Kleidung, die upgecycelt wird, sondern Billigware. Bei potentieller Mangelware (wie wärmende Winterkleidung in großen Größen für Obdachlose) würde ich dir Recht geben, aber bei irgendner Jeans – von denen wird ein großer Teil wohl auch im Altkleidercontainer beim Sortieren in der Kiste „schreddern für Umzugsdecken“ landen, weil einfach viel zu viele davon gespendet (aka entsorgt) werden.
        Da ist es doch sinnvoller, das nächste Projekt aus der „noch guten“ Jeans zu machen, auch wenn man den Stoff nicht komplett ausnutzt, als neuen Stoff dafür zu kaufen.

        • Inga

          Hallo Hana,
          dass so viel Kleidung in der Altkleidersammlung landet und dort quasi „entsorgt“ wird, ist wirklich ein Problem, da gebe ich dir recht. Aber selbst wenn es sich bei der Kleidung die upcycelt wird um Billigware handelt, wurden für ihre Herstellung trotzdem genauso viele Ressourcen benötigt wie für hochwertige Kleidung (Materialien, Arbeitskraft und Transport) – strenggenommen ist der ökologische Fußabdruck von Billigkleidung sogar höher als der von hochwertiger weil sie meistens seltener getragen wird, sich aber mit jedem Mal tragen der Fußabdruck verringert. Besser als neuen Stoff dafür zu kaufen, ist es trotzdem – zumindest, wenn man möglichst viel davon verwendet. Vom neu gekauften Stoff würde man ja auch nicht den Rest, den man nicht für ein Projekt gebraucht hat wegwerfen. So oder so ist aber Upcycling eine tolle Möglichkeit, Textilien weiter zu verwenden :-).

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